Ausbildungsinhalt


1) Theorievermittlung (440 Stunden) Grundlagen-Methodik-Krisenintervention


Semester 1: Vom Wesen des Menschen - Grundlagen und Menschenbild


Anthropologische und philosophische Grundlagen und Modelle
Pluralismus der Wissenschaften - Einheit des Menschen
Abgrenzung zu Psychologie, Psychotherapie, Medizin, Seelsorge,
Pädagogik, Sozialarbeit etc.
Die "Trotzmacht des Geistes" und ihre Bedeutung
Die Differenzierung von "Schicksal", "Freiheit" und „Verantwortung“
Die Person und ihre unverlierbare Würde
Der transsubjektive Sinnbegriff in der Logotherapie
Das Gewissen als sinn-orientierungs Organ
Egozentrische und selbsttranszendente Motivationstheorien
Die menschliche Fähigkeit zur Selbstdistanzierung
Charakterlehre und Psychologie der Persönlichkeit
Über die Mobilisierung von Selbstheilungskräften
Voraussetzungen und Methoden des beratenden Gespräches

in der Logotherapie und den anderen Disziplinen
Überblick über die verschiedenen Beratungsmodelle

 

 

Semester 2: Vom Werden und der Beziehungsfähigkeit des Menschen - Vorsorge und Unterstützung


Zusammenhänge zwischen Psychohygiene und Immunsystem
Wechselwirkung von Möglichkeit, Handlung und Haltung
Einflüsse von Zeitströmungen und Modeerscheinungen
Krisenpräventive Maßnahmen in Vorsorge und Nachbetreuung
Lebensstil und Lebenslauf, Pathogenese und Pathoplastik
Ethik der Liebe und der menschlichen Sexualität
Richtlinien einer sinnzentrierten Familientherapie
Erhöhung der Friedens- und Kompromissbereitschaft
Willensstärkung und Förderung der Entscheidungsfähigkeit
Die Bedeutung schöpferischer Arbeit und Betätigung
Umgang mit Arbeitslosigkeit und Apathie
Aspekte der menschlichen Kreativität und Freizeitgestaltung
Erziehung zur Verantwortlichkeit und Mündigkeit
Coaching, Supervision und Selbsterfahrung
Mediation, als sinn-orientierte Vermittlung

 


Semester 3: Von den ‚Blockaden’ des Menschen - Logotherapie in der Krisen-Intervention


Abgrenzung zwischen Beratung und (Psycho-)Therapie
Erkennen von Krisen – Krisensymptome – Verlaufsformen von Krisen
Zusammenarbeit mit den verwandten Disziplinen
(Psychiatrie, Psychotherapie, Medizin, Seelsorge)
Entstehungstheorie und Klassifikation der Neurosen
Hilfe bei Angst-, Zwangs- und Sexualneurosen
Sinnkrise und iatrogene Störung
Die Problematik von Essstörungen, Über- und Untergewicht
Multifaktorielle Programme in der Suchtkrankenhilfe
Beratung bei psychosomatischen Störungen und Schlafstörungen
Hilfe bei existentiellen Krisen und Frustrationen
Unterstützende Beratung bei endogenen Depressionen
Entstehungstheorie und Klassifikation der Psychosen
Tests als Hilfe der Diagnose und der Prozessbegleitung
Abgrenzung und Unterstützung der medizinisch/psychologischen Therapie

 


Semester 4: Vom leidenden Menschen – Logotherapie als „Ärztliche Seelsorge“

Die Lösung von Ambivalenzen und Gewissenskonflikten
Sozial-psychologische Interventionen bei akuten Krisen
Konzepte stabilisierender Nachbetreuungsgruppen
Begleitung von Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis
Hilfe bei Wertkollisionen und zum Aufbau von Wertsystemen
Die Problematik von Schuld(gefühlen) und Scham
Hilfe zur Bewältigung von schicksalhaftem Leid
Optimismus der Vergangenheit und existentielle Bilanzziehung
Gerontologische Aspekte, Leitlinien der Sterbebegleitung
Selbsttötung und Abtreibung – „lebensunwertes Leben?“
Akzeptanz der "tragischen Komponente" in der Schöpfung
Suche nach Sinn/Suche nach Gott - als spezifisch menschliche Frage

 

 

2) Mehrtägiges Gesprächsführungsseminar / Gruppenselbsterfahrung Teil 1 (30 Stunden)


Im Gesprächsführungsseminar werden anhand von fachlich geleiteten Rollenspielen, in denen
abwechselnd die Rolle des Ratsuchenden und des Ratgebenden übernommen wird, folgende
Kommunikations- und Gesprächsformen geübt:
• Aktives Zuhören, sich Einfühlen, Vertrauensklima bilden
• Zuordnen beschriebener Störungen zu ontologischen Kategorien
• Wechseldiagnostik und das Eröffnen von Freiräumen
• Erkennen von neurotischen / psychotischen Krisen
• Klärung der Zuständigkeit – Abgabe der Verantwortung - Weiterempfehlung
• Logotherapeutische Argumentationsansatz, sokratischer Dialog
• Verwendung von Geschichten, Symbolen, Gleichnissen
• Sinnentdeckungshilfe, gezieltes Erspüren und Erkennen von Wertmöglichkeiten
• Konfrontationen, Paradoxien, Existentielle Erschütterungen
• Dereflexion, Paradoxe Intention
• Einstellungsmodulation
• Biographische Arbeit (Wert- & Lebensbilanz, Autobiographie, u.ä.)
• Paar-/Familienberatung, Mediation, Versöhnungsstimulation
• Coaching und Supervision in logotherapeutischer Prägung
• Weiterleitung zu anderen logotherapeutischen Methoden (zB Wertimagination)
• Aufgabenerstellung, klare Verantwortungsübergabe beim Abschied


Die Teilnahme am Gesprächsführungsseminar gewährt den AbsolventInnen mehr Sicherheit und
Feingespür sowohl im Umgang mit den ihnen beruflich oder privat anvertrauten Personen, als auch
durch den erlernten Umgang mit dem reichhaltigen Methodenrepertoire der Logotherapie. Dieses
Seminar ist auch ein außerordentlich wertvoller und wichtiger Beitrag während der Ausbildung zur
Selbsterfahrung innerhalb der Gruppe.

 

 


3) Fall-/Praxis-Supervision / Gruppenselbsterfahrung Teil 2 (100 Stunden )


Das Supervisionsjahr dient der Reflexion der "angewandten Logotherapie" im beruflichen oder
persönlichen Umfeld. In Einzel- und Kleingruppengesprächen (Teile auch in Blockform möglich) werden
die vorgelegten Beiträge (in Normalfall 20 ausführliche Gesprächsprotokolle) der Supervisanden von
erfahrenen und befähigten Praktikern auf ihre Effizienz überprüft und auf eventuelle
Verbesserungsmöglichkeiten hin bedacht. An vorzulegenden Beiträgen werden akzeptiert:


•Falldokumentationen, bei denen die beratende/therapeutischen Prozesse so dargestellt sind, dass das geplante Vorgehen und die Kontrolle des Verlaufs sichtbar werden.
•Zusammenfassende Niederschriften oder Tonbandaufnahmen von beratend pädagogisch -
seelsorgerlichen Gesprächen, in denen logotherapeutische Elemente mitverwertet wurden.
•Vortrags-/Seminarunterlagen mit logotherapeutischen Inhalten. Etwa zum Einsatz in der
Erwachsenenbildung oder (Teil-)Ergebnisse wissenschaftlicher Forschungsprojekte.

Für die Anmeldung zum Supervisionsjahr ist die Absolvierung des Gesprächsführungsseminares
Voraussetzung. Es gibt eine eigene Ausbildungs-Ordnung für das Supervisionsjahr.

 

 

 

4) Zusatzmodule für den Lehrgang zur Lebens- und Sozialberatung


Zusatzmodul A (in Blockform; 25 Stunden - im Rahmen des ersten Ausbildungssemesters)


Einführung in die Lebens und Sozialberatung
Historische Entwicklung
gesellschaftliche Rahmenbedingungen von Beratungsdiensten
Positionierung der Lebensberatung
Voraussetzungen, Methoden und Ziele beratender Intervention

 


Zusatzmodul B (in Blockform; 60 Stunden)


a) Rechtsfragen
Familienrecht, Berufsrecht und Berufsorganisation,
b) Betriebswirtschaftliche Grundlagen
Buchführungspflicht; Betriebsführung; Steuerrechtliche Grundlagen; Kalkulation
und Verrechnung; Werbung und Marketing
c) Berufsethik
Ethische Grundfragen; Berufsbild und Tätigkeitsbereiche; Standes und Ausübungsregeln

 

 


5) Einzel-Selbsterfahrung (20 bzw. 30 Stunden)


Die vorgeschriebenen Selbsterfahrungsstunden sind wichtig für die begleitete Reflexion der persönlichen Entwicklung. Es sind keine „Therapie“-Stunden im engeren Sinn, auch wenn natürlich persönliche Themen bearbeitet werden können.


Zum Abschluss der berufsbegleitenden Ausbildung und als Voraussetzung für den Lehrgang in Lebensund Sozialberatung sind die Absolvierung von mindestens zwanzig Einzel-Selbsterfahrungsstunden notwendig, welche parallel zur theoretischen Ausbildung im Institut oder beim vom Institut anerkannten LogotherapeutInnen besucht werden können.


Für die Aufnahme in den Lehrgang in Lebens- und Sozialberatung wird der Begleiter/die Begleiterin eine (selbstverständlich im Inhalt der Verschwiegenheitspflicht unterliegende) Empfehlung abgeben.
Für den Abschluss des Lehrganges in Lebens- und Sozialberatung sind zumindest zehn weitere Einzel-
Selbsterfahrungstunden notwendig.